Der Räuber sinnt auf Vergeltung
Unter
dem Schleierwolkenhimmel der Gefilde von Musashi, an dem eine
rötliche Mondsichel stand, irrte Hikita Motofuji durch das
Brachland. Wie viele Tage waren vergangen, seit er mit einem Schiff des
Hauses Satomi hierher gebracht und irgendwo am Ufer des Flusses
Sumidagawa ausgesetzt worden war? Schon bevor er auf das Schiff
gebracht wurde, waren sein Rücken durch die Peitschenhiebe, und
seine Stirn durch die Tätowierung vereitert. Er litt an hohem
Fieber. Und das war nicht alles; seine Rippen, auf denen der Fuß
jenes wunderlichen Knaben gelastet hatte, und sein Handgelenk schmerzten ihn
so sehr, als würden seine Knochen knarren. Motofuji, der ganz
allein an einer anderen Stelle ausgesetzt worden war als seine
Kumpanen, hatte zwei Tage und zwei Nächte im Gestrüpp gelegen
und gestöhnt.
Als er endlich aufstehen und humpeln konnte, verübte er in den zwei oder
drei Tagen danach erneut zwei Raubüberfälle. Die
Opfer waren ein alter Mann auf Reisen und eine Frau. Er nahm
an, dass die Säcke, die beide auf den Schultern
trugen, etwas Essbares enthielten, und brüllte nur vom Wegrand her: "Her mit
was zu essen!"
Jedesmal ließen die Angerufenen, kaum
dass sie sein tätowiertes Gesicht sahen, entsetzt ihre Beutel
fallen und rannten davon.
Wegelagerer Hikita Motofuji
Jedenfalls
tat ihm sein ganzer Leib noch dermaßen weh, dass er nicht daran
denken konnte, kräftig aussehende Leute zu überfallen. Ein
Schwert hatte er auch nicht. Und mehr als Geld benötigte er erst
mal Nahrung. So stand es um ihn, der bis vor Kurzem noch Herr über
eine Burg gewesen war. Und obwohl er in Kazusa Burgherr gewesen war,
hatte Motofuji, seiner Herkunft nach tatsächlich eine Person von
Stand, keine Ahnung, in welcher Gegend der Gefilde von
Musashi er sich überhaupt befand. Hinter sich in der Ferne
erstreckte sich die breite Fläche des Flusses, und außerdem
roch es nach der See, weshalb er annahm, dass er sich irgendwo in der
Nähe der Mündung des Sumidagawa befinden müsse.
Auf dem Feldweg kamen ihm drei Frauen entgegen, die Hauben trugen wie Frauen
in den Städten. Obwohl es sich um Damen von Stand zu
handeln
schien, begleitete sie erstaunlicherweise kein Samurai als Gardist.
Stärker als seine Verwunderung war Motofujis Hunger. Er sprang aus
dem Gestrüpp auf den Weg und schrie:
"Habt ihr nichts zu fressen? Her damit!"
Die drei Frauen, zwei vorneweg und die dritte dahinter, blieben stehen.
"Hört ihr schlecht? Ich will was zu fressen!", schrie Motofuji noch einmal, woraufhin ein Gelächter ertönte.
"Man sieht, dass Menschen, so hoch sie auch hinauskommen, nach
ihrem Sturz wieder zum tierischen Wesen zurückkehren. Das passt
sehr gut zu einem einstigen Räuber von Ibukiyama, hoho, hohoo!"
Es war die hintere Frau, die gesprochen und gelacht hatte. "Ihr beiden, zeigt ihm eure Gesichter!"
Die beiden vorderen Frauen schoben ihre Hauben hoch.
"Asagao, Yûgao!", rief Motofuji, starr vor Staunen. Dann sah er sich die Frau dahinter an.
"Deine Stimme ist doch die Stimme der Yaobikuni!"
Was nach seiner Gefangennahme geschehen war, wusste Motofuji nicht.
Aber abgesehen davon, dass er sich wunderte, dass seine
Bettgespielinnen Asagao und Yûgao, die während der Kämpfe
um die Burg spurlos verschwunden waren, zusammen mit Yaobikuni
seltsamerweise ausgerechnet hier herumliefen, bleckte Motofuji die
Zähne, als wollte er gleich zubeißen.
"Ha, du Nonne, auf deine Anweisungen hin habe ich den Bengel des Satomi
als Geisel genommen, damit ich die Hamaji kriege. Wo warst du und
was hast du gemacht, als ich schmählich überwältigt
wurde? Warum hast du mich nicht gerettet?", schimpfte er.
"Als sie dich stürzten, war ich am Berg Ibukiyama", antwortete
Yaobikuni. "Aber selbst wenn ich dabei an deiner Seite gewesen
wäre, hätte ich nichts ausrichten können. Gegen diesen
Wunderknaben bin ich machtlos. Nicht weil er stark ist, sondern weil er
ein vollkommen unschuldiges Kind ist, kann ich nichts ausrichten."
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Mit
"vollkommen unschuldiges Kind" ist in erster Linie gemeint, dass
Shinbei niemals einen Menschen getötet hat. Fusehimes Selbstmord
geschah ja als "Zeichen des Himmels, dass in dieser Welt die Unschuld
über das Böse siegen wird" (Abschnitt 1, Ende). Shinbeis
Unschuld schützt ihn
einerseits vor Fluch und Hexenzauber der Welt des Bösen,
bringt jedoch andrerseits auch Mitstreiter, die nicht über diesen
Schutz verfügen, in große Gefahr.
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Yaobikuni schien schon alles zu wissen.
"Und mit einer Geiselnahme scheitert man nun einmal, wenn die bedrohte
Gegenseite nicht nachgibt. Vor allem bestand die Mehrzahl Eurer Ritter
von Burg Tateyama aus Vasallen des ehemaligen Landesherrn Komariya; deshalb
waren sie nicht mit ganzem Herzen bei der Sache. Und deshalb bin ich,
für den Fall, dass es schiefgeht, zu Eurer Heimat Ibukiyama
gegangen und habe sämtliche Räuber und Wegelagerer aus der
gesamten Gegend, weit mehr als hundert Kämpfer, mitgebracht."
"He?" Motofuji riss die Augen auf. "Wo sind sie denn?"
"Dort drüben."
Motofuji drehte sich um in die Richtung, die Yaobikuni ihm wies, und
erblickte unter der roten Mondsichel zwei große Schiffe, die in der Flussmündung ankerten.
"Da sollt Ihr auch mitfahren", sagte Yaobikuni. "Noch in der Nacht
kommt Ihr in Awa an und holt Euch dann die Burg Tateyama zurück. Zum
Glück ist dieses Wunderkind gerade abwesend. Jetzt habt Ihr die
einmalige Gelegenheit, die Burg zurückzugewinnen."
"Die Burg zurückholen? Ho, da sind jetzt die Ritter des Satomi
drin. So ein Missgeschick wie vorher mit den Rittern von Komariya soll
mir nicht nochmal passieren. Selbst wenn ich mehr als einhundert
Kämpfer zur Verfügung habe, kann ich denn damit die Burg
zurückerobern?"
"Dummkopf!
Ich habe Euch doch vorher die List mit dem hohlen Kampferbaum am Suwa-Schrein erläutert, aber Ihr habt sie nur für die
Entführung des Erbfolgers genutzt. Diese Höhle hat noch
weitere Vorzüge!"
Selbst dieser so gerissene Motofuji stand wie belämmert da.
"Ein Mann wie der große Räuberhauptmann Hikita Motofuji vom
Berg Ibukiyama lässt nach nur einmaligem Scheitern schon den Kopf
hängen und gibt sich damit zufrieden, zum schäbigen
Wegelagerer zu verkommen? Schämt Ihr Euch denn nicht?"
Die teuflische Nonne grinste spöttisch.
"Oder seid Ihr aus Rührung über die große Gnade des
Satomi, dass er Euch gerade mal das Leben geschenkt hat, handzahm
geworden? Ihr scheint wohl mit der Tätowierung in Eurem Gesicht
und Euren wackeligen Gliedern so einfach in der Wildnis krepieren zu
wollen?"
Die teuflische Nonne und Schamanin Yaobikuni
"Natürlich
nicht", sagte Motofuji zähneknirschend. "Ich will es dem Satomi
noch einmal heimzahlen. Und vor allem diesem rotzigen Bengel die Visage
polieren!" Er spuckte geradezu schwarzen Qualm. "Aber du hast
gesagt, der Kerl ist nicht da?"
"Zur Belohnung durfte er eine Reise unternehmen."
"Und wenn er zurückkommt?"
"Ich bin sicher, dass er nicht zurückkommt."
"Wieso denn?"
"Dass Euer Leben verschont worden ist, verdankt Ihr einzig der
Fürsprache dieses Jungen. Wenn Ihr Euch nun die Burg Tateyama
zurückholt, werden alle Ritter so zornig mit den
Füßen stampfen über die Schmach, die ihnen der kindliche Leichtsinn dieses Jungen beschert hat, dass er sich kein zweites Mal
im Haus Satomi blicken lassen kann."
"In der Tat."
"Hier in meinem Innern weiß ich sämtliche Mittel, um nicht
allein das Wunderkind, sondern das ganze Haus Satomi, das sich mit
seiner Güte brüstet, in Bedrängnis zu bringen und zu quälen!"
Irgendwie klang Yaobikunis Ton nicht mehr so respektvoll wie vorher,
sondern mit Verachtung durchsetzt. Alles seit dem Plan, durch den
Motofuji zum Burgherrn geworden war, hatte sich also diese Schamanin
ausgedacht! Motofujis Respekt wuchs.
"Also, wie hole ich mir die Burg zurück?"
"Das erfahrt Ihr auf dem Schiff."
Geführt von der Teufelsnonne und den beiden Kurtisanen schritt
Hikita Motofuji unter der roten Mondsichel auf die Schiffe zu, die mit
aufgespannten Segeln in der Flussmündung des Sumidagawa bereit
lagen.
Am Shinobazu-Weiher
Wenige
Tage später wurde Burg Tateyama überrumpelt. Es war noch gar
nicht lange her, dass die Burg an das Haus Satomi gefallen war, und in
der Nacht waren durchaus Samurai auf Patrouille, die jedoch das
Eindringen der Feinde überhaupt nicht bemerkten. Sie hatten nicht
einmal irgendwelchen Lärm von
Truppen vernommen, die von außen heranstürmten.
In der Burg lagen um die 300 Burgritter im Schlaf; gegen 2 Uhr erwachten
sie durch ungewöhnliche Geräusche direkt in ihren jeweiligen
Räumen und erblickten unbekannte Kriegsleute, die mit Fackeln in
der Hand eindrangen. Sie wollten aufspringen und fielen gleich wieder auf
ihr Lager zurück. Vorher waren ihnen nämlich schon irgendwann
Bande um die Fußgelenke geschlungen und jeweils mehrere Ritter
zusammengebunden worden, und beim Aufspringen zogen sich die
Schlingen zu. Weit mehr als einhundert bewaffnete Feinde waren wie
durch Zauberei urplötzlich im Innern der Burg aufgetaucht. Wer
sich trotzdem zur Wehr setzte, wurde auf der Stelle erschlagen. So gut
wie alle Burgritter gerieten in Gefangenschaft.
Auf die Streitmacht des Hauses Satomi, die am Morgen auf diese Nachricht hin mit wehenden Fahnen und gezückten Klingen von Burg Takita her
anrückte, prasselte ein Regen von Pfeilen nieder. Und
über der Burgmauer wurden drei Banner aufgesteckt, auf denen in
großen Schriftzeichen zu lesen war:
"Bis Fräulein Hamaji hergeschickt wird, enthaupten wir jeden Tag drei Ritter des Hauses Satomi."
"Im Fall eines Angriffs werden zehn Samurai enthauptet."
"Das Haus Satomi, das sich seiner Güte rühmt, sollte nicht
unnötigerweise das Blut seiner Getreuen vergießen."
Und wie angedroht, begann Hikita Motofuji sogleich, hoch auf den Zinnen
der Burg täglich drei der gefangenen Vasallen des Hauses Satomi zu köpfen.
Hikita Motofuji ist wieder Burgherr
Hierdurch
war Satomi Yoshinari erneut in eine ausweglose Situation geraten. Sollte er
Hamaji ausliefern? Ausgeschlossen. Aber zulassen, dass Tag für Tag
drei seiner Ritter enthauptet werden? Ausgeschlossen. Diese
schmerzliche, grauenvolle Lage war nicht weniger schlimm, nein, eher
noch schlimmer als zuvor, als sein Sohn Tarô Yoshimichi als Geisel
festgehalten worden war.
Angesichts ihres sich vor Qualen verzehrenden
Herrn entstand unter seinen Vasallen Unruhe. Mitleid, Ungeduld, Zorn...
das Durcheinander der Gefühle war beträchtlich.
"Holt den Inue Shinbei her!", murrten einige. Aber nicht, weil sie
meinten, niemand als dieser Momotarô mit seinem langen Stock sei
in der Lage, sie aus dieser Gefahr zu erretten, sondern weil diese
große Notlage der Forderung dieses Knirpses zu verdanken war, den
Motofuji zu verschonen und laufen zu lassen. Er müsse
zurückgeholt werden, die Verantwortung übernehmen und den
Motofuji totschlagen. Andere verlangten sogar, ihn zu bestrafen.
Kein Wunder, dass nicht nur Shinbeis Großmutter
Myôshin, sondern auch Obayuki Yoshirô vor Gram litten. Nach
einigen Tagen machte sich jedenfalls Yoshirô auf die Suche nach
Shinbei. Er war sich aber selber nicht im Klaren, ob er ihn holen oder lieber
von der Rückkehr abhalten sollte. Er hielt es einfach nicht
einfach länger zuhause aus, wusste jedoch nicht
einmal, wo Shinbei überhaupt steckte. Sein Ziel war klar; das Lehen
Hokita. Aber er hatte ja erzählt, er wolle vorher eine
Besichtigungsreise durch die Bôsô-Halbinsel und nach Edo
unternehmen; Yoshirô zählte also die verstrichenen Tage seit seiner
Abreise und meinte, dass Shinbei nun in Edo
eingetroffen sein müsste. Dorthin wandte er sich.
Der alt gewordene Obayuki Yoshirô
Und wo befand sich Inue Shinbei wirklich?
Wenige Tage nach Obayuki Yoshirôs
Aufbruch aus Awa machte Shinbei an einem Frühlingstag Rast in
einem reetgedeckten Teehaus am Rand des Shinobazu-Weihers im Dorf Ueno
bei Edo. Draußen fiel der typische
Frühlingsnieselregen. Mehr als ein Weiher war das
Gewässer Shinobazu vielmehr ein von Schilf und Lotos nahezu
zugewachsener See, an dessen Rand sich nur eine Ansammlung von
Schilfhütten samt diesem Teehaus befand. Von dem bewaldeten
Hügel jenseits des Weihers schimmerte das Ziegeldach einer kleinen
Burg, eine wirklich hübsche Ansicht.
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Der Shinobazu-Weiher existiert noch heute und sieht auch weitgehend so aus wie hier beschrieben.
Der bewaldete Hügel jenseits des Weihers ist der heutige Ueno
Park in Tokyo. Diese Orte liegen nur wenige hundert Meter von dem in Kapitel 9
genannten Heiligtum Tenjin-Schrein von Yushima entfernt, wo sich die
Episode um den entlaufenen Makaken abspielte.
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Überall, wo er auftauchte, wurde dieser junge Wandersmann zum Ziel von
Neugier und Heiterkeit, und auf seinem Weg hierher waren ihm schon
etliche Wegelagerer begegnet, die sich, mehr um ihn zu hänseln,
mit ihm anlegen wollten, aber umgehend von seinem wirbelnden Stock
ins Koma gehauen wurden.
An diesem Tag saßen, wohl wegen des Regens, nur zwei oder drei
Gäste in dem Teehaus. Neugierig schwatzte die alte Frau vom
Teehaus mit dem Jungen und kam dann mit einem Teller voller
Klößchen, den sie vor Shinbei hinstellte.
"Mit Verlaub, was hat es damit auf sich?"
Auch seine Ausdrucksweise war komisch. Die Alte hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht loszukichern.
"Das sind Reismehlklößchen."
"Ich gestattete mir nicht, derartiges zu bestellen."
"Es sind Klößchen, die ich dem Herrn Momotarô spendiere."
Die
Süßspeise Kibidango (Klößchen aus
gesüßtem Reismehl) gilt als die Lieblingsspeise des
Momotarô
Sogar als fahrender Jungkrieger ausstaffiert sah Shinbei für die Leute offensichtlich noch immer aus wie Momotarô.
"Zu Diensten, aber wer bist du, die mir freundlicherweise Klößchen vorzusetzen geruht?"
"Ich bin eine Füchsin."
"He?" Shinbei machte große Augen. "Kommt in dem Märchen von Momotarô eine Füchsin vor?"
"Nein, eine Füchsin kommt darin nicht vor", lachte die alte Frau.
Für eine Teehauswirtin machte sie einen vornehmen Eindruck, und
Shinbei fand sie nicht unsympathisch. Während er ein Klößchen
nach dem andern vertilgte, fragte er:
"Mit Verlaub, was ist das dort?" Shinbei wies auf einen Bambusverhau auf der anderen Seite des Weihers.
"Das ist... Ich habe auch erst seit Kurzem hier in dem Teehaus
angefangen und weiß es nicht so genau... Ich habe gehört, es
sei der seit alter Zeit benutzte Richtplatz von Burg Mukaigaoka."
"Gestatten, wer ist der Herr jener Burg?"
"Herr Shogunatsfürst Ôgiyatsu Sadamasa", sagte die alte
Frau. "Bislang weilte er auf Burg Isarago, aber dort gab es im 1.Monat
dieses Jahrs eine heftige Auseinandersetzung, bei der jene Burg
niederbrannte. Seitdem ist er hierher gezogen."
Shinbei schwieg eine Weile und stopfte sich weitere Klößchen in den Mund.
Bevor er zu dieser Reise aufgebrochen war, hatte Shinbei den Bericht
des Amasaki Jûichirô an den früheren Fürsten Yoshizane mit angehört.
Darin war davon die Rede gewesen, dass die anderen sieben Hundekrieger
den Ôgiyatsu Sadamasa angegriffen hatten. Davon wird
die Frau eben gesprochen haben.
Da stieß Shinbei auf einmal einen Schrei aus und sprang von seinem Tisch auf.
"Onkeeeel!!!"
Der alte Mann, der durch den Nieselregen in das Teehaus gelaufen kam, blieb wie angenagelt stehen.
"Shinbei, hier bist du also! ... Ich habe dich überall gesucht.
Endlich habe ich dich gefunden!", rief Obayuki Yoshirô, dankbar
die Hände über seiner Brust zusammenschlagend.
"Shinbei, etwas Fürchterliches ist geschehen."
"Zu Diensten, worum handelt es sich?"
"Der Hikita Motofuji, dem auf deine Fürsprache das Leben geschenkt
worden war, hat sich der Burg Tateyama erneut bemächtigt!"
"Heee..."
Da riss sogar Shinbei vor Staunen die Augen auf.
Obayuki Yoshirô berichtete, wie ihnen die Burg wieder
entrissen worden war.
"Nur eines verstehe ich nicht. Es war zwar
nachts, aber es waren Patrouillen auf Wache, und die haben auch gut
aufgepasst --- wie ist es möglich, dass die Feinde so einfach in
der Burg auftauchen konnten? Wie die drei Samurai berichteten, die mit
knapper Not entronnen sind, tauchten mehr als einhundert Bewaffnete
urplötzlich mitten in der Burg auf..."
Während Inue Shinbei zuhörte, färbten sich seine Wangen zornrot.
"Zu Diensten! Ich gestatte mir, unverzüglich heimzukehren!"
Er griff nach seinem an die Wand gelehnten Knüppel, aber Yoshirô rief schnell:
"Halt, warte! Ich weiß nicht recht, ob es gut ist oder nicht,
wenn du jetzt heimkehrst. In Burg Takita bestehen viele mit Nachdruck
darauf, dass all das Unheil diesem Jungen, also dir, zu verdanken sei, und
verlangen, ihn zurückzuholen und vor Gericht zu stellen", sagte
er, um Shinbei zurückzuhalten, da ertönte ein lauter Schrei neben
ihm.
Sie wandten sich um und sahen, wie die Frau vom Teehaus starr wie ein
Stock dastand und zum Shinobazu-Weiher blickte. Yoshirô und Shinbei hatten
gar nicht bemerkt, dass die alte Frau hinter ihnen stand, und folgten ihrem Blick.

Auch heute noch mit Lotos fast zugewachsen: Der Shinobazu-Weiher in Ueno im Nieselregen
Dort war zu sehen, wie ein Mann in weißem Gewand auf einem Pferd
auf jenen Bambusverhau zuritt, eskortiert von einem Dutzend Rittern zu
Fuß, die Speere in den Händen hielten.
"Ach, das ist Herr Satarô!", rief die alte Frau mit erstickter
Stimme. "Ich hatte es schon längst befürchtet und
täglich vor Angst Ausschau gehalten. Und jetzt ist es wirklich so
weit!"
Sie sprach mit zitternder Stimme, drehte sich plötzlich herum und flehte Obayuki Yoshirô inbrünstig an:
"Helft doch bitte, Herr Samurai!"
"Worum geht es überhaupt?", fragte Yoshirô verblüfft.
"Der Mann dort ist mein Herr, oder vielmehr, er ist ein Herr mit Namen
Kawagoi Satarô, und ich war früher seine Ziehmutter!"
"Der gefesselte Mann auf dem Pferd?"
"Ja. Im 1.Monat dieses Jahres geriet der Herr Shogunatsfürst in
eine große Gefahr. Herr Satarô und sein Herr Vater Kawagoi
Gonnosuke wurden verdächtigt, mit den Angreifern gemeinsame Sache
gemacht zu haben. Herr Gonnosuke hat an dem Tag des Angriffs Seppuku
begangen. Dadurch erhärtete sich der Verdacht noch, und ich
habe gerüchtweise vernommen, dass sein Sohn, Herr Satarô,
in den Kerker geworfen wurde. Und jetzt wird er zum Richtplatz
geführt....!"
Die alte Frau war außer sich vor Schmerz. "Ich
flehe Euch an, bitte rettet diesen Herrn, ...bitte! ...bitte!"
"Aha", sagte Yoshirô mit einer Miene, die besagte, dass es ihm unangenehm war, in diese Sache hineingezogen zu werden.
"Gute Frau, du tust mir zwar leid,
aber in meinem Alter reichen die Kräfte dazu nicht mehr aus.
Außerdem habe ich jetzt keine Zeit, mich darauf einzulassen...."
"Onkel, geruht bitte zu warten!", rief Shinbei. "Wenn er mit den
Angreifern gemeinsame Sache gemacht haben soll, dann steht er doch auf
der Seite der Hundekrieger, nicht wahr?"
Yoshirô machte ein verdutztes Gesicht. "Das mag schon sein... Ich kenne den Zusammenhang nicht."
"Zu Diensten, meine Wenigkeit mag es nicht, Menschen umzubringen", sagte
Shinbei. "Und auch nicht, es tatenlos hinzunehmen, wenn Menschen
umgebracht werden. Ich gestatte mir, mal kurz hinzugehen und den Mann
zu retten. Und danach erlaube ich mir, die Flucht zu ergreifen und
sofort schnellstens nach Awa zu eilen! Onkel, habt bitte die Güte, in aller Ruhe
nachzukommen!"
Es blieb keine Zeit für Widerworte, so geschwind schnappte sich
Shinbei seinen Stock und sauste aus dem Teehaus fort. Von da aus
umrundete er so blitzschnell wie Idaten,
die Gottheit des Siegs der Gerechtigkeit, den Weiher und flitzte dann mit
erhobenem Knüppel geradewegs in den Bambusverhau hinein. Es war genau der
Augenblick, in dem die Klinge erhoben wurde, um das Haupt des
niederkauernden Delinquenten abzuschlagen. Als die Amtsleute merkten,
dass der wie vom Himmel hereingeschneite Eindringling ein kleiner Junge
war, blickten alle zu ihm her und kamen auf ihn zu. Shinbei schlug sie
allesamt mit seinem Prügel zu Boden.
Kawagoi Satarô soll hingerichtet werden
"Was ist.....", stammelte der Gerettete mit fassungslosem Gesicht.
"Zu Diensten! Ich habe zwar keine rechte Kenntnis, worum es hier geht,
aber belieben, Euch bei der alten Frau aus dem
Teehaus zu erkundigen."
Er zeigte auf den alten Mann und die alte Frau, die ihm eilends nachgekommen waren, schulterte seinen Stock und rannte davon.
Dank der Füchsin
Eine Stunde lang war Shinbei über die noch immer vom Nieselregen trüben Gefilde von Musashi nach Süden dahingeflitzt,
da erblickte er eine Person, die mitten auf dem Weg in seiner Richtung
saß. Vor Staunen blieb sein Mund sperrangelweit offen stehen. Es
war nämlich die alte Frau aus dem Teehaus. Sich verwundert die Augen reibend lief Shinbei näher.
"Ich spreche Euch meinen
allerherzlichsten Dank für vorhin aus",
sagte die Alte, sich bis zum Boden verbeugend. "Dank Eurer Hilfe ist
Herr Satarô mit dem Leben davongekommen. Er wird nicht mehr zum
Shogunatsfürsten zurückkehren, sondern sich erst einmal
in Sicherheit bringen. Auf meinen Rat hin möchte er sich Euch
anschließen und ist auf dem Weg, Euch nachzueilen."
"Zu Diensten, freut mich. Aber mit welcher Abkürzung hast du es geschafft, vor mir hierher...."
"Ich schäme mich zwar, aber ich bin kein menschliches Wesen."
"Was?"
"Ich bin eine Füchsin", sagte die alte Frau leise.
"Eine Füchsin?" Shinbeis Mund stand schon wieder offen. "Du? Eine Füchsin?"
Shinbei fiel ein, dass diese Frau vorhin, in dem Teehaus, schon gesagt
hatte, dass sie eine Füchsin sei. Er hatte es für einen
Scherz gehalten.
In vielen Märchen und Legenden Ostasiens nehmen Füchse menschliche Gestalt an
Nun begann die Alte zu erzählen.
"Ich bin eine Füchsin,
die einst in Awa zur Welt kam. Vor
über zwanzig Jahren kam ich mit meinem Fuchsgemahl nach Edo und
wohnte auf dem Gelände der Burg Mukaigaoka. Der damalige Burgvogt
war Kawagoi Gonnosuke, ein enger Gefolgsmann des Hauses Ôgiyatsu.
Aber eines Tages kam mein Fuchsgemahl durch eine Falle, die ein Knecht
des Herrn Kawagoi aufgestellt hatte, ums Leben, und ich wurde auch
gefangen. Ich sollte eigentlich auch totgeschlagen werden, aber Herr
Gonnosuke und seine Gemahlin retteten mir das Leben. Die beiden hatten
Mitleid mit mir, dass ich nun ganz allein war, und stellten mir alle
Tage Bohnenreis und frittiertes Tôfu hin, damit ich
nicht verhungere.
Bald kam ihr Sohn Satarô zur Welt, aber nach dem Gebären
erholte sich die Gemahlin nicht recht und verstarb zu meinem Bedauern
einige Zeit später. Zum Glück befand sich unter den
Bediensteten eine Amme namens Masaki, die mit ihrer Milch den kleinen
Satarô ernährte, aber eines Tages nahm besagter Knecht die
Amme Masaki mit zum Shinobazu-Weiher und forderte sie auf, gemeinsam
mit ihm davonzulaufen. Masaki weigerte sich, es kam zu einem
Handgemenge, in dessen Verlauf alle beide in den Weiher fielen und
ertranken. Ich schnürte gerade dort durch das Schilf und wurde zu
meinem Schrecken Augenzeugin des Geschehens. Als erstes kam mir
daraufhin der arme Säugling Satarô in den Sinn. Für ihn
müsste eine neue Ziehmutter gesucht werden. Aber besser wäre
es.... Ich wünschte mir, dem Ehepaar meine Dankesschuld
abzutragen... Füchse können das: Mein Wunsch erfüllte
sich auf der Stelle, und ich nahm die Gestalt der Masaki an.
Fortan zog ich als 'Masaki' den jungen Herrn Satarô groß, und
als er keine Milch mehr brauchte, blieb ich weiterhin in Diensten des
Hauses Kawagoi. Satarô hing sehr an mir, und sein Vater Gonnosuke
behandelte mich stets freundlich, weshalb ich nicht mehr in die Welt
der Füchse zurückkehren wollte. Aber als Herr Satarô
sieben Jahre alt war, wurde ich einmal krank und musste mich
niederlegen. Während ich mit hohem Fieber vor mich
hindämmerte, hörte ich Satarô rufen:
'Was ist denn mit dir los! Masaki, du hast ja ein Gesicht wie ein Fuchs!'
Trotz meines hohen Fiebers stand ich schwankend auf und verließ
auf der Stelle das Haus Kawagoi. Ich hatte zwar mein menschliches
Gesicht wieder, war mir aber nicht sicher, ob mein Fuchsgesicht nicht noch einmal
zum Vorschein käme; aus Furcht und Scham verließ mich der
Mut, im Hause Kawagoi zu bleiben.
Danach lebte ich lange Zeit im Wald des Tsumagoi-Schreins in
Hongô, sehnte mich dabei aber in die Welt der Menschen
zurück und ließ mich vor einigen Jahren bei dem Teehaus vor
dem Tenjin-Schrein in Yushima anstellen. Im 1.Monat dieses Jahres
erblickte ich im Gefolge der Frau
Gemahlin des Shogunatsfürsten bei ihrem Schreinbesuch die Herren
Kawagoi, Vater und Sohn, die ich mehr als zehn Jahre nicht mehr gesehen
hatte. Herr Satarô rief: 'Ist das nicht Frau Masaki?', und ich
vergaß alle Vorsicht und lief auf ihn zu, aber daraufhin geschah
jener Zwischenfall, dass das Äffchen, das die Fürstin als Haustier
hielt, wild wurde und davonsprang. Als der Makake mich erblickte,
stieß er ein furchterregendes Gebrüll aus und starrte mich
böse an.
Wegen dieses Vorfalls verließ Satarô vorübergehend den
Schauplatz; hinterher würde er zweifellos zurückkommen und
nach mir suchen, dachte ich und flüchtete aus dem Teehaus. Nein,
nicht vor Satarô, sondern ich zitterte noch immer vor Furcht vor
dem wild gewordenen Affen. Er hatte bestimmt gewittert, dass ich eine
Füchsin bin.
Der Shogunatsfürst wurde später von sechs unbekannten
Kriegern angegriffen und geriet daraufhin bald in
allergrößte Lebensgefahr. Diese Auseinandersetzung trug sich
kurz darauf zu, am
21.Tag des 1.Monats. Unter den Angreifern soll sich auch
ein Schausteller befunden haben. Es stellte sich heraus, dass Herr
Kawagoi Gonnosuke anlässlich des Vorfalls mit dem Makaken offenbar
eine geheime Unterredung mit diesem Schausteller geführt hatte.
Als der Shogunatsfürst ins Gefecht ziehen wollte, hatte Herr
Gonnosuke ihn überaus hastig davon abzuhalten versucht, und als
sich der Fürst in höchster Gefahr befand, fiel der Verdacht
auf Herrn Satarô, in Einvernehmen mit den Angreifern diese von
der Verfolgung abgehalten zu haben. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass die
Herren Kawagoi keinesfalls Menschen sind, die wider ihren Herrn den
Bogen erheben oder Ränke schmieden. Sie sind makellos treue
Gefolgsleute.
Trotz alledem wurde Herr Satarô auf Burg Mukaigaoka in den Kerker
geworfen. Als ich dieses Gerücht hörte, ließ ich mich
vor lauter Angst um ihn bei dem Teehaus am Ufer des Shinobazu Weihers
anstellen, um zu sehen, was danach mit ihm geschähe.
Eine der Ursachen für die große Not der Herren Kawagoi, nämlich die
Aufregung um den entlaufenen Makaken, habe ich zu verantworten.
Deswegen war ich in allergrößter Angst um Herrn
Satarô, den ich mit meiner eigenen Milch gesäugt hatte.
Alles Weitere wisst Ihr ja selbst. Ich weiß nicht, wie ich Euch danken kann, dass Ihr, vollkommen
Fremde auf der Durchreise, auf mein kopflos verwirrtes Flehen um Hilfe
hin meine Bitten erhört und Herrn Satarô zur Flucht
verholfen habt. Allerdings habe ich vorhin in dem Teehaus ein wenig von
Eurem Gespräch über Burg Tateyama mitgehört. Ich
weiß zwar nicht genau, worum es Euch dabei geht, aber ich
weiß Bescheid über die Besonderheit dieser Burg, und diese
Kenntnisse könnten Euch von Nutzen sein, dachte ich und bin Euch
deswegen nachgelaufen, habe Euch durch Fuchszauber überholt
und hier auf Euch gewartet.
Also, mit Burg Tateyama hat es das Folgende auf sich:
Auf dem Gelände des Suwa-Schreins nahe der Burg Tateyama steht ein
großer Kampferbaum, der innen hohl ist.
Hohler alter Kampferbaum auf einem Schreingelände
Und in einer Ecke des
Burghofs steht gleichfalls ein großer Kampferbaum, der ebenso hohl
ist. Wenn man hineinschlüpft und an das Holz klopft, ist es überall fest, weshalb jedermann glaubt, es seien nur hohle
Bäume. Aber klopft man mit einem Hammer oder einem anderen Werkzeug auf
den Boden, den die festgewordene Laubschicht und Erde bedecken, tut sich in beiden Bäumen ein großes Loch auf. Es
mündet in einen Gang, der die beiden gut zweihundert Meter
voneinander entfernten Bäume miteinander verbindet, hoch genug,
dass
darin Menschen aufrecht gehen können."
"Waaas?!"
Shinbei fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Endlich begriff er das
Rätsel, wie die Streitmacht des Hikita Motofuji unversehens, wie
Obayuki Yoshirô berichtet hatte, mitten in der Burg Tateyama
aufgetaucht war, und wie es gelungen war, den Erbfolger des Hauses
Satomi am Suwa-Schrein zur Geisel zu nehmen.
"Woher weißt du das alles?"
"Ich entstamme einer Sippe von Füchsen, die seit mehreren hundert
Jahren in den Höhlen im Boden um Burg Tateyama lebt. Alle diese
Fuchshöhlen haben wir selbst gegraben. Aber vor mehr als zwanzig
Jahren hat eine Marderhündin sie an sich gerissen. Diese
Marderhündin ist von fürchterlicher
Bosheit und besitzt teuflische Zauberkräfte. Alle Angehörigen unserer
Fuchssippe sind getötet worden, nur mein Fuchsgemahl und ich, wir
sind nach Edo entkommen...."
Die alte Frau erhob ihr Gesicht.
"Ach, wenn ich von meiner Sippe spreche, werde ich
es leid, in meinem Alter in der Welt der Menschen
zu leben. Ich würde am liebsten wieder zu der Füchsin werden,
als die ich zur Welt kam, und wenn möglich aufs Neue in den
Fuchshöhlen bei Burg Tateyama wohnen, aber da haust jene
schreckliche Marderhündin....!"
Marderhund und Fuchs
Die Stimme der alten Frau wurde dabei langsam heiser und immer
schwächer, und sie verwandelte sich zusehends von einer alten Frau zu einer
Füchsin, einer weißen Füchsin. Aber es war deutlich zu
sehen, dass sich die weiße Füchsin vor Shinbei verbeugte.
Dann tat sie einen großen Sprung nach hinten und verschwand, im
nassen Gras einen silberfuchsartigen Sprühregen aufwirbelnd, im
dichten, wogenden Grün.
Shinbei stand noch einen Augenblick mit offenem Mund da; dann wollte er wieder seinen Stock schultern und sich schnell
auf den Weg in Richtung Awa machen, aber von hinten her hörte er
eilige Schritte nahen. Er sah sich um und erblickte Kawagoi
Satarô, der ihn soeben eingeholt hatte.
"Herr Inue, wartet bitte noch einen Augenblick! Ich habe von meiner
Ziehmutter Masaki erfahren, dass Ihr ganz allein auf einer dringenden,
eiligen Mission seid. Da ich ohnehin vor den Schergen meines
früheren Herrn Ôgiyatsu Sadamasa fliehen muss, halte ich es
als Ausdruck meiner Dankbarkeit für die Rettung vor der
Hinrichtung für recht, Euch auf dem gefahrvollen Weg zu
begleiten. Ich fühle mich zwar weiterhin meinem früheren
Herrn verpflichtet, aber da Eure Aufgabe sich nicht gegen Herrn
Sadamasa richtet, gestattet mir bitte, Euch als Gefolgsmann
beizustehen!"
"Meine Wenigkeit ist von Eurem Anerbieten geschmeichelt, aber ich
fürchte, dass Ihr anderen Sinnes werdet, wenn ich mir erlaube, Euch
zu eröffnen, dass ich zwar mit Inuzaka Keno, der im Auftrag Eures
Herrn Vaters den verräterischen Komiyama Ittôta erschlagen
hat, aber auch mit Inuyama Dôsetsu, der als Rächer seines
vernichteten Hauses Nerima Eurem früheren Herrn nach dem Leben
trachtet, gleichermaßen brüderlich verbunden bin."
"Ich werde niemals mehr zu meinem Herrn zurückkehren, der mich hinrichten lassen
wollte. Bei den Kämpfen um Burg
Isarago hatte ich persönlich Gelegenheit, den Edelmut Eurer
'Brüder' kennen zu lernen. Angesichts des Leichnams meines Vaters
besaß sogar Herr Inuyama so viel Ritterlichkeit, von der
weiteren Verfolgung des schon geschlagenen Herrn Sadamasa abzusehen.
Und nun habt Ihr mir auch noch mein so gut wie verlorenes Leben
gerettet. Als Euer Gefolgsmann kann ich einer
guten Sache dienen und meinem Leben einen Sinn geben. Allerdings kann ein getreuer
Samurai nicht zwei Herren zugleich dienen. Ich habe daher beschlossen, ab
heute ein neues Leben zu beginnen, und bin Euch deshalb nachgeeilt. Ich
lege hiermit den Namen
Kawagoi Satarô ab,
den Namen eines Vasallen von Herrn Ôgiyatsu Sadamasa, und nehme
fortan als Euer Gefolgsmann den
Namen Masaki Daizen an. Masaki ist die gute Füchsin, die
mich mit ihrer Milch großgezogen und Euch als Retter meines
Lebens gesandt hat, und Daizen bedeutet, dass ich fortan all
meine Kräfte für die gerechte Sache des Guten einsetzen
werde."
Diese Worte zeugten vom aufrechten Sinn des Herrn Satarô, und Shinbei willigte ein, ihn als Masaki Daizen mitzunehmen.
Um schneller zu Burg Tateyama zu
gelangen, eilten die beiden nach Ryôgoku, wo die Schiffe zur Bôsô-Halbinsel ablegen, aber im Hafen erfuhren sie, dass derzeit starker Ostwind herrsche,
gegen den die Schiffer nicht anrudern könnten. Überdies war
es inzwischen späte Nacht geworden, da würde ohnedies kein
Schiff mehr in See stechen. Trotz ihrer Eile verbrachten Shinbei und Daizen die Nacht in einer Herberge am Hafen.
Keilerei am Flussufer
"Wir danken untertänigst dem verehrten Publikum, das so zahlreich herbeigekommen ist, um
unsere Vorstellung zu erleben. Wir sind reisende
Händler und Sumô-Ringer und sorgen allerorts mit unserer Wundersalbe dafür, dass die
Menschen gesund bleiben. Erstmals sind wir an diesem Ort zu Besuch und
bieten auch hier unsere nach einem geheimen Rezept
hergestellte Salbe feil. Wie auf dem Schild zu lesen steht, wird
unsere Medizin traditionell von Sumô-Ringern verwendet und wirkt
auf der Stelle gegen Stauchungen und Prellungen,
Schürfungen und
Schwellungen, lindert aber auch bei Verbrennungen und Schnittwunden
sogleich den Schmerz. Ein Döschen für nur 10 mon in Eiraku
Münzgeld, und für diesen lächerlichen Betrag
erhält man nicht alleine Linderung und Heilung, sondern
kann auch
das Geld für einen Arzt sparen!"
Die reisenden Händler an dem von Schaulustigen gesäumten
Stand am Ufer des Flusses Sumidagawa in Ryôgoku waren ein älterer und ein jüngerer Mann, die
unter dem Übergewand nur einen Lendenschurz trugen und
barfuß waren. Mit einem Seil hatten sie vor sich auf dem Boden
einen Sumô-Ring abgesteckt, und an dessen Ecken waren Standarten
aufgesteckt, auf denen "Traditioneller Sumô-Schaukampf" und "Hier ist die Heilsalbe der Sumô-Ringer
feil" stand und die Namen "Ringkampfmeister Ogino Uwakaze und
sein Schüler Hagino Shitatsuyu" angeschrieben waren.
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Ryôgoku
liegt am Fluss Sumidagawa kurz vor dessen Mündung ins Meer,
die heutige Bucht von Tôkyô. Hier ist der Fluss schon sehr
breit, aber der Einfluss von Ebbe und Flut, Sturm und Wellengang ist
noch gering. Es ist der ideale Hafen für die Schiffe, die aus Edo
zur Bôsô-Halbinsel und zu anderen Zielen in See stechen.
Heute liegt in Ryôgoku die Sporthalle Kokugikan, in der alle Sumô-Meisterschaften ausgetragen werden, weil
Sumô-Ringkampf in Ryôgoku eine besonders lange Tradition
hat.
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Nach einem einleitenden Vortrag des älteren Schaustellers Uwakaze
über Geschichte, Regeln und
Techniken des Sumô-Ringkampfs begann der Schaukampf. Shitatsuyu,
der jüngere der beiden, warf sein Übergewand ab und trat
gegen den ebenfalls bis auf den Lendenschurz entkleideten Uwakaze in
den Ring. Unter Erläuterungen jedes Griffes zeigten die
beiden, wie man den Gegner auf verschiedene Arten zu Boden wirft oder
aus dem Ring drängt. Erstaunlicherweise war der Ringkampfmeister
Uwakaze, der nacheinander alle 48 Techniken des Sumôs
vorführte und seinen Partner Shimotsuyu ein ums andere Mal
niederwarf, trotz seines Alters überaus kräftig und gelenkig,
weshalb nach jedem Wurf lauter Beifall aufbrandete.

Sumô-Ringkampf
Nach dem Ende des Schaukampfs legten die Ringkämpfer wieder ihre
Übergewänder an und gingen mit ihren Salbendöschen durch
die Reihen der Schaulustigen, aber die begannen, weil die Vorstellung
beendet war, auseinander zu gehen, ohne dass irgendjemand die Salbe kaufte.
"Nicht mal ein einziges Döschen für 10 mon haben sie uns
abgekauft", brummte Uwakaze enttäuscht zu seinem Partner. "Lassen
wir es für heute gut sein. Morgen gehen wir woanders hin, da haben
wir vielleicht mehr Glück."
Sie begannen, ihren Stand abzubauen und ihre Sachen einzupacken, als
ein sehr junger Mann, noch beinahe ein Knabe, zu ihnen trat. Er hatte vom Rand der Zuschauermenge aus gemeinsam mit
einem Samurai von Anfang an zugeschaut. Der Knabe sprach:
"Ich habe mir erlaubt, alles anzusehen. Eure Erläuterungen des
Sumô waren sehr lehrreich, die Vorführung machte in jeder
Hinsicht die Technik und Regeln des Ringkampfs deutlich, und ihr seid wirklich prachtvolle
Sumô-Ringer. Als Gebühr fürs Zuschauen gestatte ich
mir, euch alle Salbendöschen abzukaufen. Wie viel macht das
zusammen?"
"Es sind insgesamt hundert Dosen, das ergibt eine Summe von 1 kan",
antwortete Uwakaze. "Aber das wäre als Entgelt fürs Zuschauen viel
zu viel. Wir sind schon dankbar, wenn Ihr uns nur eine Dose
für 10 mon abnehmt. Shitatsuyu, reich mir eine Salbe herüber!"
"Zu Diensten. Als Eintrittsgeld für einfache Leute mag das
ausreichend sein, aber ich habe eine lehrreiche Darbietung genossen,
die ihren eigenen Wert hat", erwiderte der Junge und zog
ein Koban-Goldstück aus seiner Tasche.
Uwakaze machte vor Überraschung große Augen, aber keine Anstalten, das Goldstück anzunehmen.
"Das ist entschieden zu viel, junger Mann!", wehrte er ab.
"Ich habe euch heute zum ersten Mal gesehen; es kommt mir aber vor, als
wüsste ich, wer ihr seid", lächelte der junge Zuschauer und
drückte dem Schausteller das Goldstück einfach in die Hand.
Während sein Partner Shitatsuyu alle Salbendöschen
herbeitrug, bahnte sich ein kräftiger, vierschrötiger Mann mit zornig
gerötetem Gesicht durch die noch verbliebenen Zuschauer einen Weg
zu den Schaustellern und brüllte:
"Einen Moment mal! Ich habe hier ein Wörtchen mitzureden. Wer hat euch erlaubt, hier Geschäfte zu machen?"
"Wer seid Ihr denn überhaupt? Wir kommen aus ferner Provinz und wissen
nicht, dass hier eine Genehmigung erforderlich sein könnte."
"Alter, red dich nicht dumm heraus! Jeder in dieser Gegend kennt
den stärksten Mann von Ryôgoku, den Mukômizu Isanta.
Der bin ich nämlich. Und ich habe eine Menge kräftige Burschen wie den Edokko
Sutekichi, die es nicht zulassen, dass hier jemand Geschäfte
macht, ohne uns vorher eine ordentliche Gebühr zu zahlen. Wir
nehmen es auch mit Sumô-Ringern auf und haben noch gegen
keinen verloren. Her mit dem Geld, ihr Kerle mit eurem provinziellen
Amateur-Sumô!"
Edokko Sutekichi und Mukômizu Isanta sind auf Streit aus
Gleichzeitig baute sich der genannte, hinter Isanta hergelaufene
Sutekichi vor dem Jungen und dem Samurai auf und schrie sie an:
"Junge Spunde, ihr habt wohl zu viel Sake gesoffen, dass ihr hier mit
Goldstücken um euch werft! Ich soll euch wohl eine Abreibung
verpassen?"
"Ich weiß nicht, was du hast", entgegnete der junge Mann in aller Ruhe. "Wir sind auf
Reisen. Jede Domäne mag ihre eigenen Vorschriften haben, aber es
steht mir dennoch frei, mein Geld nach Belieben auszugeben."
Währenddessen fuhr Shitatsuyu fort, den Stand abzuräumen und alles einzupacken.
"Ihr Dummköpfe meint wohl, ihr könnt euch so einfach
davonmachen?", polterte Isanta, packte Shitatsuyu am Arm und holte aus,
um ihm die Faust ins Gesicht zu schlagen. Als geübter
Sumô-Ringer wehrte Shitatsuyu zwar den Schlag ab, aber Sutekichi
umfasste ihn von hinten und wollte ihn niederwerfen. Das verhinderte
Uwakaze, der helfend eingriff, aber Isanta rief laut: "He, Jungs,
kommt mal her! Es gibt eine Keilerei!", woraufhin sich aus der Menge
der Gaffer, die sich einen handfesten Krawall nicht entgehen lassen
wollten, weit über dreißig Raufbolde lösten und
streitsüchtig gelaufen kamen. Sie stürzten sich auf Uwakaze
und Shitatsuyu und
zertrümmerten deren Stand und Gerätschaft. Isanta und
Sutekichi wandten sich nunmehr gegen den Jungen und seinen Begleiter,
die sie wegen ihrer
Jugend nicht für voll nahmen, aber der Jugendliche packte
sie blitzschnell und warf alle beide in hohem Bogen in den Fluss
Sumidagawa.
"Ihr Ratten, ihr habt keine Ahnung, mit wem ihr es zu tun habt. Hier
steht meine Wenigkeit, der Hundekrieger Inue Shinbei in
Diensten des
Fürstenhauses Satomi von Awa, und gestattet sich, euch zu lehren,
dass man Reisende aus fremden Landen mit Respekt behandelt!"
Er fuhr zwischen die Raufbolde, und sein Stock hieb jeden, der nicht
entsetzt davonrannte, in tiefe Ohnmacht, und der junge Samurai verfolgte die
Davonrennenden und schlug etliche mit der bloßen Faust zu Boden.
Isanta und Sutekichi trauten sich
nicht, aus dem Fluss ans Ufer zu kommen, sondern schwammen erst noch
mehrere hundert Meter flussaufwärts, ehe sie sich pudelnass durchs
Schilf watend auf die Böschung hochzogen.
Die beiden Schausteller verneigten sich vor Inue Shinbei und seinem Begleiter, der natürlich Masaki Daizen war.
"Uns fehlen die Worte, uns für die Rettung aus höchster Not
zu bedanken. Ohne Eure Hilfe wären wir womöglich nicht mehr
am Leben. Aber gestattet mir eine ungebührliche Frage. Ihr habt
vorhin Euren Namen 'Inue Shinbei in Diensten des Fürstenhauses Satomi
von Awa' genannt. Kann es sein, dass Ihr die Herren Inuta Kobungo und
Inukawa Sôsuke kennt?"
"Zu Diensten, Inuta Kobungo ist mein Onkel, und Inukawa Sôsuke ist mein
'Bruder'. Und da Ihr ein Sumo-Ringer seid und die beiden offenbar kennt, dürfte es sich bei Euch um Herrn Ishikame Jidanda aus Ojiya im Lande Echigo
handeln, nicht wahr?"

Ishikame Jidanda
"Wie, Ihr kennt meinen Namen? Das ist eine Überraschung....! Bei
meinem Partner handelt es sich um meinen Bruder Hyakubori Funazô,
der in jeder Hinsicht vertrauenswürdig ist und alles mit
anhören kann. Vor einigen Jahren war Herr Inuta länger bei mir zu Gast
und erzählte mir auch von den Hundekriegern und von seinem Neffen Inue Shinbei, um den er
sich sorgte, weil dieser im Alter von vier Jahren spurlos verschwunden
sei. Aber falls Ihr das seid, dann müsstet Ihr jetzt erst neun oder zehn
Jahre alt sein. Ihr seht mir jedoch aus wie ein Vierzehn- oder Fünfzehnjähriger..."
"Gestatten, meine Wenigkeit ist unter dem Schutz der Seele meiner Mutter, der
verstorbenen Fürstentochter Fusehime, bei guten Zieheltern im Wald aufgewachsen. Ich habe mir erlaubt, mich früh in allen Samuraikünsten zu
üben, um meinen 'Brüdern', den Hundekriegern, nicht
nachzustehen. Danach, im Dienste des Fürsten von Awa, wurden mir
auch die Berichte über alle Abenteuer und Begegnungen meiner
'Brüder' bekannt. Derzeit bin ich auf dem Weg nach Awa, um
dem Fürsten, Herrn Yoshinari, in
einer großen Notlage beizustehen, konnte aber wegen
ungünstiger
Winde noch kein Schiff finden, das mich dorthin bringt."
Gemeinsam suchten Jidanda und Funazô, Shinbei und Daizen die
Herberge auf. Im Hafen erfuhren sie, dass sich der Gegenwind wohl erst
am andern Morgen legen und vorher kein Schiff in See stechen
würde. So blieb ihnen der Abend für Gespräche, und
Shinbei erfuhr aus Jidandas Mund noch einmal das Abenteuer des Kobungo beim
Stierkampf, den Mordanschlag durch die hasserfüllte Funamushi,
die Begegnung mit Sôsuke und die Einladung der Hundekrieger durch
den Landvogt Inado Yorimitsu, die auf Betreiben der
Fürstenmutter Ebira Ôtoji beinahe mit deren Hinrichtung
geendet hätte, aber glücklicherweise durch eine List des
Herrn Inado verhindert wurde. Funazô berichtete, dass sein Bruder
Jidanda kurz darauf wegen einer Intrige seiner treulosen Ehefrau Okoze
und ihres Liebhabers Dojôji in den Kerker geworfen wurde, aber
ein anderer Hundekrieger namens Inuzaka Keno, der sich als
Iai-Künstler ausgab, habe für Funazô am Yushima-Schrein bei
Fürstin Kaname ein Begnadigungsschreiben an das Fürstenhaus
in Echigo erwirkt.

Okoze und ihr Liebhaber Dojôji
"Glücklicherweise hielt mich
auch
der Landvogt Inado Yorimitsu für unschuldig und verhinderte, dass
ich gefoltert wurde", warf Jidanda ein, "aber freilassen konnte er mich
natürlich nicht. Als das Gesuch um meine Begnadigung
eintraf, widersetzte sich allerdings die Mutter des Fürsten von
Echigo, Ebira Ôtoji, dem Gesuch ihrer Tochter
Fürstin Kaname, denn die Begründung mit einem Traumgesicht
der Gottheit von Yushima schien ihr kein ausreichender Beweis meiner
Unschuld zu sein. Aber nachdem Fürstin Kaname sich in der
brennenden Burg Isarago das Leben
genommen hatte, erschrak Ebira Ôtoji, weil
sie fürchtete, dass der Tod ihrer Tochter eine Vergeltung der
Gottheit für die Missachtung ihrer Anweisung sein und ihre
Totenseele ihr zürnen könnte. Kurz darauf wurde
ich aus der Kerkerhaft entlassen, aber Ebira Ôtoji ließ
nicht zu, dass die Verleumder bestraft würden, sondern
drängte
beim Fürsten Nagao Kageharu darauf, mich aus seinem
Herrschaftsgebiet
zu verbannen."
Nach seiner Freilassung und Verbannung konnte Jidanda nicht einmal mehr
sein einstiges Haus aufsuchen, sondern machte sich in Begleitung seines
Bruders Funazô, der ihm in Treue beistand, auf den Weg in
Richtung Ostjapan, das nicht unter der Herrschaft der Fürsten
Nagao und Ôgiyatsu lag. Noch in der Nähe von Ojiya brach die
Nacht herein. In einer aufgegebenen, leerstehenden Tempelhalle fanden
sie Unterschlupf für die Nacht, und wie der Himmel es fügte,
überraschte ein plötzlicher Regenguss just dort einen Mann
und eine Frau auf der Straße, die in der dunklen Halle ebenfalls
Zuflucht vor dem Regen suchten. Es waren Okoze und Dojôji, die
nicht ahnten, dass in einer finsteren Ecke derselben Halle Jidanda und
Funazô ihre Gespräche mit anhörten. Sie waren auf dem
Rückweg von der Festung Katagai, wo sie vom Fürsten wegen der
Verleumdung des unschuldigen Jidanda zwar eine Ermahnung, aber
sonst keine Scherereien bekommen hatten. Sie freuten sich
daher unverhohlen, dass Jidanda des Landes verwiesen worden war. Somit seien sie ihn für immer los; er
könne sich nun weder rächen noch auf Herausgabe seines
Besitzes klagen.
Als das ungetreue Paar nach dem Ende des Regens die Halle verließ
und nach Ojiya weitergehen wollte, stellte Jidanda sie auf der
nächtlichen Landstraße zur Rede und erschlug alle beide. Landvogt
Inado Yorimitsu mochte wohl ahnen, wer der Mörder der
beiden war, aber es fand sich kein Beweis, weshalb er die
Nachforschungen bald einstellen ließ. Das Gasthaus Ishikameya
wurde beschlagnahmt und an neue Betreiber verkauft.
Jidanda und Funazô lebten von dem wenigen Geld, das sie den
Erschlagenen abgenommen hatten, um einen Raubüberfall
vorzutäuschen, bis das Geld zu Ende ging. Daraufhin kamen sie auf
den
Gedanken, sich als Sumô-Ringer mit Schaukämpfen und dem
Verkauf einer Salbe durchzuschlagen, und kehrten unter neuen
Künstlernamen und als Schausteller aus dem Osten Japans in das
bevölkerungsreichere Land Musashi zurück. Einerseits wollten
sie in Yushima den Tenjin-Schrein aufsuchen und der Gottheit danken,
andererseits hofften sie auch, in Musashi einem der ihnen bekannten
Hundekrieger Inuzaka Keno, Inuta Kobungo oder Inukawa Sôsuke zu
begegnen. Auf diesem Weg waren sie nach Ryôgoku gekommen
und heute in dieser belebten Hafenstadt aufgetreten, wo es mehr
Zuschauer und Möglichkeiten zum Verkauf ihrer Salbe gab, mit dem
oben geschilderten Ergebnis.
"Ich bin sicher, dass ihr letztendlich der Gottheit
von Yushima Euer Leben verdankt", meinte Shinbei. "Sie erhört alle, die schuldlos
leiden."
"Mir ist es ganz ähnlich ergangen", warf Masaki Daizen ein. "Ich
hatte mich mein ganzes Leben lang bemüht, ein vorbildlich treuer
Gefolgsmann meines Herrn zu sein, und landete dennoch, genau wie wie Herr Ishikame Jidanda, aufgrund von
bösartigen Verleumdungen schuldlos
im Kerker. Mein Leben war schon so gut wie verwirkt, als mich einer der
Hundekrieger, nämlich Herr Inue Shinbei, errettete, weshalb ich mich
ihm aus Dankbarkeit als Gefolgsmann anschloss. Auch einige der
anderen Hundekrieger habe ich kennen gelernt und mich ihres Edelmuts vergewissern können."
Shinbei stellte seinen Begleiter vor.
"Es handelt sich um den einzigen Sohn Satarô des treuen Vogts
Kawagoi Gonnosuke des Fürsten Ôgiyatsu Sadamasa...."
Kawagoi Satarô, der sich jetzt Masaki Daizen nennt
"War das nicht der Gefolgsmann der Sänfte von Fürstin Kaname
bei ihrem Besuch des Tenjin-Schreins in Yushima, der Herrn Inuzaka Keno
als Dank für das Einfangen des Makaken das Ersuchen um die
Freilassung meines Bruders Jidanda versprochen hat?", fragte
Funazô überrascht. Jidanda ergänzte: "Dann sprechen wir
Euch als dessen Sohn noch einmal unseren aufrichtigen Dank aus!"
Shinbei berichtete, dass Herr Satarô im Hause des Fürsten
von Neidern angeschwärzt und schließlich zur
Hinrichtung geführt worden war, und weil seine frühere Amme
um Hilfe gebeten hatte, sei ihm die Errettung in letzter Minute
gelungen. Aus Dankbarkeit habe Satarô den Namen dieser Amme angenommen und
sei nun als Gefolgsmann Masaki Daizen bei Shinbei geblieben.
"Jidanda, du meinst zwar, dass du mir und meinem 'Bruder' Keno dein
Leben verdankst, aber auch Shino, Dôsetsu, Genpachi und Daikaku
haben einen Anteil an deiner Entlastung gehabt. Als sie die Gifthexe
Funamushi durch die Hörner eines Stiers hinrichteten, hängten
sie nämlich über den Leichen eine Schrift auf, in der sie deren Untaten
auflisteten. Darin stand auch, dass der Dolch, der als Beweisstück
für deine Komplizenschaft mit der Räuberbande galt, die
Mordwaffe der Funamushi gewesen sei, und als Vogt Inado davon erfuhr,
gab er diese Nachricht an Ebira Ôtoji weiter, die daraufhin endlich auch von deiner Unschuld überzeugt war."
Jidanda und Funazô äußerten dankbar: "Wir sind zwar
unbedeutende Leute, aber jede Begegnung mit Euch Hundekriegern war
für uns ein Segen."
Anderntags trennten sich die Wege. Shinbei bestieg zusammen mit
Daizen ein Schiff in Richtung Bôsô-Halbinsel, und Jidanda
und Funazô zogen mit unbekanntem Ziel weiter. Das Goldstück,
das sie von Shinbei erhalten hatten, entschädigte sie nicht
nur für die Demolierung ihrer Schausteller-Utensilien, sondern
genügte auch für ein sorgenfreies Leben in den restlichen Monaten des Jahres.
Der Fluch erlischt
In Windeseile war der Wunderknabe Shinbei am Ziel; als er mit Daizen in Burg
Tateyama auftauchte, war es tiefe Nacht des folgenden Tages. Ohne
sich mit den Satomi-Streitkräften, die die Burg umzingelt hatten,
abzusprechen, gelangte er durch den unterirdischen Gang, den ihn die
Füchsin gewiesen hatte, ins Innere der Burg. Auch
über der feindlichen Räuberburg leuchtete der
Frühlingsmond.
Zwei Burgritter, die am Erdbunker für die Vorräte im Burghof
um die Ecke bogen, erblickten vor sich eine seltsame Erscheinung. Dort
stand ein kleines Bürschlein, das einen langen Stock waagerecht
vor sich hielt. Schon wollten sie bei dessen Anblick losschreien:
"Aaah!" --- "Der ist das!"
Aber bevor sie den Mund aufbekamen, rief das Bürschlein mit Knabenstimme:
"Keinen Ton! Wenn ihr einen Mucks tut, ergeht es euch genauso!"
Dabei
schlug er mit dem Knüppel auf den Erdbunker. Dessen steinerne Wand
zerbröselte, als wäre sie aus Sand, denn der Stock
hatte sich einen halben Meter tief in die Bunkerwand gegraben. Kein
Wunder, dass die Ritter sprachlos waren. Außerdem
hatten beide damals mit angesehen, wie dieser wunderliche Knabe den
Burgherrn Hikita Motofuji wie einen Spielball zur Geisel gemacht hatte.
"Dreht euch um und geht nebeneinander los, zu Motofuji!"
Beide Ritter schritten voran, getrieben von dem Stock, der ihnen, tock,
tock, auf Genick und Hinterteil tippte. So gelangten sie zum
dreistöckigen Hauptgebäude. Das hatte Motofuji errichten
lassen und Bôrirô (Aussichtsturm)
genannt. Von da aus sollte man die unter der Burg liegenden Dörfer
sehen, aber in Wirklichkeit war er natürlich darauf aus, die
Bewegungen der Streitmacht des Hauses Satomi im Blick zu behalten.
Kaum waren sie eingetreten, schrien die beiden Ritter, zum erstenmal ihre Stimmbänder geradezu explodieren lassend:
"Alarm, ein feindlicher Eindringling!" --- "Jener Teufelsknirps
ist wieder da!", und flohen nach vorn. Shinbei ließ sie
absichtlich laufen.
An den Wänden im Saal waren hier und da mit
Netzen Öllämpchen aufgehängt, und darunter hatte
eine beträchtliche Anzahl Kämpfer geschlafen, die jetzt alle aufsprangen.
Weil die Burg von den Satomi-Kriegern eingekesselt war, lagen sie alle
voll gerüstet da, und überdies handelte es sich bei diesen
Leuten ausschließlich um Räuber vom Berg Ibukiyama. Sie
hatten nicht im Traum damit gerechnet, dass irgendjemand
plötzlich eindringen könnte; obwohl sie aufsprangen,
tappten sie doch benommen wie Schlafwandler einher. Ohne sich darum zu
scheren, lief Shinbei im schwachen Lichtschein auf eine Treppe zu, die er in der Ecke des Saals ausgemacht hatte.
Er stieg ein Stockwerk höher. Hier bot sich das gleiche Bild, aber
in dem Durcheinander rannten doch einige Räuber mit gezückten
Schwertern auf Shinbei zu, und im Nu entspann sich ein wildes
Handgemenge.
Inue Shinbei in Burg Tateyama
Der halbwüchsige Knabe wirbelte
seinen dicken Knüppel, und vor ihm, hinter ihm, rechts
wie links krachten die riesengroßen Burgräuber ohnmächtig zu Boden. In dem
Dämmerlicht sah es aus, als ob ein Jongleur mit einem einzigen
Schläger eine Anzahl von Bällen durch die Luft hiebe. Mutete
schon dieser Anblick unwirklich an, so war noch weit erstaunlicher,
dass überall, wo sein Stock hintraf, die Gegner zwar umgehend ins
Koma fielen, aber, wie man hinterher feststellte, nicht einer von ihnen
ums Leben kam. Anscheinend hatte dieses Wunderkind mit rechtem Augenmaß sogar dafür gesorgt.
Während Shinbei diesen Wirbelsturm entfachte, stieg er zum dritten
Stockwerk hinauf. Alle zwei bis drei Stufen ließ er seinen Stock
nach hinten kreisen, und gleich stürzten jedesmal eine Handvoll Gegner
übereinander und polterten krachend die Stiege hinab.
In diesem dritten Geschoss stand Hikita Motofuji, gleichfalls
aufgesprungen, im Schlafgewand mit gezücktem Schwert da, sich
schützend vor drei Frauen stellend. Während er Tag
für Tag weiterhin drei Samurai des Hauses Satomi grausam köpfen ließ, ergab er sich des Nachts mit diesen drei Damen seinen lustvollen Vergnügungen.
An den beiden Schönheiten Asagao und Yûgao, die Yaobikuni
aus dem Totenreich zurückgeholt hatte, verging er sich ohnedies,
und während er zunächst zögerte, sich auch an den Reizen
der nicht mehr ganz so jungen Nonne Yaobikuni zu vergreifen, verlangte
sie selbst danach, so dass er auch über sie herfiel.
Motofuji, der schon zu Zeiten als Räuber am Berg Ibukiyama nach
Herzenslust seinen Begierden gefrönt hatte, verlebte auch hier
seine Tage in höchster Wollust, denn Yaobikunis
übermenschlich
betörenden Reizen war er mit Herz und Seele verfallen. Jetzt, da
seine Welt voller leichtfertiger Wonnen mit Füßen
zertrampelt wurde und er, viel schlimmer noch, erkannte, dass der
Eindringling wieder jener Bursche war, ergriff ihn Entsetzen, Zorn und,
mehr als alles andere, Furcht. Schließlich hatte er die
unheimliche Kraft dieses Wunderknaben zuvor am eigenen Leib zu
spüren
bekommen. Von dem Geschrei von unten wusste er schon, wer der Angreifer war, und
hatte das Fenster aufgeschoben, aber aus dem dritten Obergeschoss war
eine Flucht auf diesem Weg ausgeschlossen.
"He, Nonne, was soll ich jetzt tun?", rief er und wandte sich um, aber selbst diese durchtriebene Yaobikuni trug angstverzerrte Züge in ihrem schönen Gesicht.
"Wie konnte dieser Teufelskerl hier hereinkommen?", sagte sie nur mit zitternder Stimme.
Und jetzt tauchte dieser Teufelskerl leibhaftig vor ihren Augen auf.
"Ha, ich hatte mir neulich erlaubt, dich zu verschonen; wie kommt es,
dass du dir schon wieder Missetaten herausnimmst?", schalt diese jugendliche Knabenstimme den Motofuji.
"Dreister Naseweis, du Knirps!", brüllte er und warf sich
ungestüm mit seinem Schwert auf Shinbei. Mit einem heftigen
Krachen zerbrach das Schwert in zwei Stücke und flog davon, und
von dem wirbelnden Stock getroffen, lag Motofuji bewusstlos auf dem
Boden.
"Seid ihr die bösen Frauen, die, wie mir vor meiner Ankunft
außerhalb der Burg zu Gehör kam, sich erdreisteten, Motofuji dazu anzustiften?"
Mit dem Stock in der Hand trat Shinbei auf sie zu. Daraufhin sprangen
die drei Frauen, die neben dem offenen Fenster gestanden hatten,
auf und flogen rücklings durch das Fenster ins Freie hinaus, in
der
Mitte die Nonne, die die beiden anderen Frauen rechts und links unter
ihre Arme klemmte. Und, o Wunder, sie stürzten nicht
hinab auf die Erde, sondern schwebten gespenstisch über den
dunstigen Nachthimmel auf den verschleierten Frühlingsmond
zu!
Nein, zum Mond wollten sie natürlich nicht --- offenbar war ihr Ziel der Wipfel einer großen
Zelkovie, die in etwa 50 Metern Entfernung stand, aber bevor sie den
Baum erreichten, erhob Shinbei seinen rechten Arm und rief "hooi!"
Eine
weiße Sternschnuppe flog aus seiner Hand und traf die Fluggeister. Wie ein großer Schattenvogel mit
zwei Schwingen stürzten sie vom Himmel herab zu Boden. Shinbei
sah vom Fenster aus auf den Burghof hinab, und als er die reglosen
Gestalten auf dem Boden entdeckte, schnürte er
dem ächzenden Hikita Motofuji mit dessen Schwertgürtel
Hände und Füße zusammen wie ein Gepäckstück,
hängte ihn so an seinen Stock und lief mit diesem Stock auf der
Schulter die Stiegen hinab. Unter den durcheinander
darniederliegenden Räuberrittern standen einige wankend im
Begriff, wieder auf die Beine zu kommen, aber keiner versuchte,
Widerstand zu leisten. Die zu Boden geschlagenen Burgritter fesselte
Masaki Daizen mit Stricken, die er aus dem zerbröselten Erdbunker
geholt hatte. Auch ihm wagte sich keiner der Räuber zu nähern.
Shinbei erreichte den Burghof. Die drei Frauen lagen zerschmettert im
Burggarten. Aber es waren keine Frauen, sondern ungewöhnliche
Gestalten.
"Hmmm?", brummte Shinbei, setzte aber den Motofuji auf den Boden
nieder, blickte sich suchend um und hob dann etwas vom Boden auf. Es
war seine Kristallkugel, die er vorher auf die durch die Luft
flüchtenden Hexen geschleudert, sie damit getroffen und zum Absturz
gebracht hatte. Sicherheitshalber hielt er die Kugel gegen das Mondlicht und
sah, dass darin das Schriftzeichen JIN schwebte.
Derweil begann Motofuji, der zusammengeschnürt auf der Erde lag, zu zappeln.
"Siehst du es? Wenn nicht, schau es dir an! Zu Diensten, das sind die Weiber, mit denen du dich die ganze Zeit abgegeben hast!"
Er zeigte mit der Spitze seines Stocks auf die Toten. Motofuji sah hin,
und vor Entsetzen fielen ihm beinahe die Augen aus dem Kopf. Die Gewänder der
Leichen waren zweifellos diejenigen von Yaobikuni, Asagao und
Yûgao, aber an den Köpfen, Armen und Beinen, die daraus
hervorragten, erkannte man deutlich --- es waren Marderhunde! Der
größte Marderhund, der etwas älter aussah, trug die
Gewandung von Yaobikuni, und in den Gewändern von Asagao und Yûgao steckten kleinere, junge Marderhunde.
Hikita Motofuji stieß einen Schrei aus und fing an, sich zu erbrechen. Er begriff, dass er sich bis heute lustvoll an
Marderhündinnen vergangen hatte.
"Hast du es jetzt verstanden?", fragte Shinbei, lud sich Motofuji
wieder mit seinem Stock auf die Schulter und schritt freiweg davon. In
der Zwischenzeit waren die Räuberritter, die nicht im
Bôrirô waren, wie schwarze Wolken zusammengekommen, standen
aber starr vor Staunen über die seltsamen Geschehnisse und
über das Wunder, dass dieser sonderbare Junge den
mindestens doppelt so großen Burgherrn so leicht davontrug, und sahen nur aus sicherer Entfernung zu.
Satomi Yoshinari, der denselben Gefangenen nun zum zweiten Mal
ausgeliefert bekam, kippte vor Verblüffung beinahe um und jubelte
natürlich, als er hörte, wie es dazu gekommen war. Auch der
alte Fürst Yoshizane kam von Burg Takita geeilt, lief nach der
Befreiung von Burg Tateyama in den Burggarten und nahm die Kadaver der
drei Tiere in
Augenschein. Besonders den großen, alten Marderhund sah er sich
genau an und rief:
"Oh, ist das nicht jener Marderhund, den Tamazusa einst als Haustier gehalten hatte?"
Der alte Fürst Satomi Yoshizane
Auch seine beiden weißhaarigen einstigen Vögte Sugikura
Kisonosuke und Horiuchi Kurando, die an seiner Seite knieten,
erschauerten, als seien sie mit kaltem Wasser begossen worden. Sie
erinnerten sich daran, dass Tamazusa, die Geliebte des vorigen
Fürsten von Awa, Yamashita Sadakane, als letzte Worte vor ihrer
Hinrichtung geschrien hatte: 'Wenn ihr mich
töten wollt, so tötet mich! Durch meinen Fluch sollen
die
Kinder und Kindeskinder des Hauses Satomi in die Existenzform von
Tieren
stürzen, ich mache sie zu elenden Hunden!',
und dass es ein Marderhund war, der Blut aus ihrem Hals geschlürft
hatte und dann fortgelaufen war. Sie riefen sich auch ins
Gedächtnis zurück, dass der verhexte Hund Yatsufusa, der
Fräulein Fusehime ins Verderben gestürzt hatte, von einer
Marderhündin gesäugt aufgewachsen war, und dass Kanamari
Daisuke, der jetzige Mönch Chudai, der Yatsufusa erschossen hatte,
erzählt hatte, dass sich auch in der Nähe von
Fräulein Fusehime ein Marderhund herumgetrieben habe.
Wie dem auch sei, der Totengeist des Teufelsweibs Tamazusa, der mehr
als vierzig Jahre mit seinem Fluch das Haus Satomi verfolgt hatte, war
nun endlich und für immer vernichtet. Zugleich brachte das
Schicksal auch allen Räubern von Burg Tateyama das Ende.
Auch jetzt begann Shinbei unbelehrt tatsächlich wieder darum zu
bitten, dass das Leben des Hikita Motofuji verschont werden möge,
aber diesmal lachte Yoshinari nur darüber, erwiderte: "Shinbei,
wir verdanken alles nur deinem Einsatz, aber diesen Wunsch kann
ich dir leider nicht erfüllen", und ließ Motofuji
hinrichten.